Mond-Reliefglobus
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Mond-Reliefglobus

Selb, Alfred Schlegel, 1964
Kunststoff, Metall; Durchmesser 32 cm

Die Sammlung von wissenschaftlichen Instrumenten und Karten weist mit den Erd- und Himmelsgloben des 16. und 17. Jahrhunderts einen überregional bedeutenden Höhepunkt auf. Zum Bestand gehört jedoch auch ein deutlich jüngerer Reliefglobus in metallisch schimmernden Bronzefarben, der die Oberfläche des Mondes darstellt.

Hersteller dieses Mondmodells war der Porzellangraveur Alfred Schlegel, der sich als Hobby-Astronom seit den 1950er Jahren intensiv mit dem Mond beschäftigte und den Plan verfolgte, einen vollständigen Globus des Erdtrabanten zu produzieren.

Auf dem 1964 datierten Exemplar unserer Sammlung sind auf der uns zugewandten Seite des Mondes mehr als 7000 Einzelheiten (Gebirge, Krater und Mare) in teilweise kleinsten Details dargestellt. Die Rückseite ist viel weniger ausgearbeitet. Für die Herstellung konnten lediglich die Aufnahmen ausgewertet werden, die 1959 von der sowjetischen Raumsonde Lunik 3 zur Erde gefunkt worden waren: die ersten Bilder überhaupt, die Menschen von der Rückseite des Mondes sahen.

Das Lüneburger Museum erwarb den Globus 1968 zur Ergänzung seiner Globensammlung. Am Ende des gleichen Jahres umkreiste die Besatzung der amerikanischen Weltraummission Apollo 8 mehrfach den Mond. Erstmals sahen Menschen die Rückseite des Mondes mit eigenen Augen. Der Globus war zu diesem Zeitpunkt bereits veraltet und wissenschaftlich überholt.

Heute ist er auch als ein Stück Wissenschaftsgeschichte zu betrachten und als Dokument aus der Pionierzeit der Raumfahrt, in der sich die USA und die Sowjetunion unter dem Vorzeichen des Kalten Krieges einen Wettlauf ins All lieferten.

Aktuell wird der Globus im Museum Lüneburg in einer Sonderausstellung zum Komponisten Johann Abraham Peter Schulz (1747–1800) präsentiert. Schulz war der Komponist des Liedes „Der Mond ist aufgegangen“, dessen dritte Strophe sich auf die nicht sichtbare Seite des Mondes beziehen lässt:

„Seht ihr den Mond dort stehen?
Er ist nur halb zu sehen,
Und ist doch rund und schön.
So sind wohl manche Sachen,
Die wir getrost verlachen,
Weil unsre Augen sie nicht sehen.“

Der Mond wird hier zum Symbol einer tröstenden Glaubensgewissheit, die sich niemals allein mit dem Verstand begreifen lässt. Auch bei einem Vollmond sieht der Mensch immer nur den halben Teil des Mondes, nämlich die der Erde zugewandte Halbkugel. Die andere Hälfte sieht er nicht – und weiß doch (schon lange vor jeder fotografischen Aufnahme der Mondrückseite), dass es sie gibt.

(Ulfert Tschirner, 12.06.2019)

Der Mond zwischen Raumfahrt und Romantik

Ende des Jahres 1959 kontrastiert die UFA in einem Beitrag zur Wochenschau Bilder von Wettrüstung, Raumfahrt und Raketenstarts mit den vertrauten Klängen von „Der Mond ist aufgegangen“:  UFA-Wochenschau 179/1959 in der Filmothek des Bundesarchivs.  Um bei der gemeinten Stelle zu starten, bitte den Startknopf rechts vom Film drücken (Start bei 0:12:11.21).

Siehe auch: Der Mond ist aufgegangen. Der Lüneburger Komponist Johann Abraham Peter Schulz
Erd- und Himmelsglobus von Gerhard Mercator

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