Steinkiste

Die Steinkiste aus dem Wandrahmpark

Steinkiste aus dem Übergang von der späten Jung­stein­zeit zur frü­hen Bron­ze­zeit. Die Kammer war ur­sprüng­lich 2,15 m lang, 1,90 m breit und 1,10 m hoch.
Datierung: ca. 2000 v. Chr.
Herkunft: Molbath (heute Land­kreis Uelzen)

In geringer Ent­fernung zu dem un­gleich be­kann­teren, wieder­holt im Fokus der regio­nalen Medien ste­hen­den „Nieder­sachsen­ross” vor dem Mu­seums­eingang an der Wand­rahm­straße befindet sich ein weit­aus weniger bekanntes Denk­mal. In seinem Aufbau er­innert der aus Findlingen errichtete Steinbau sehr an Steingräber der Jungsteinzeit, wie sie beispielsweise aus der „Totenstatt” bei Oldendorf (Luhe) oder aus dem Schieringer Forst bei Bleckede bekannt sind.

Tatsächlich befindet sich das Grabmal nicht mehr an seinem ursprünglichen Standort. Dieser liegt im Nordosten des heutigen Landkreises Uelzen in der Gemarkung des Ortes Molbath unweit von Rosche. Dort verzeichnet die bereits im Jahre 1846 veröffentlichte „Archäo­lo­gische Charte” des Freiherrn Georg Otto Carl von Estorff eine ganze Reihe von archäo­logischen Denkmälern, in erster Linie Stein- und Hügelgräber.

Der erste professionelle Archäologe des Lüneburger Museums, Michael Martin Lienau, schrieb 1911: „Als das Museum gerufen wurde, war der Hügel bereits zur Hälfte abgetragen und die Kammer selbst leider entleert. Funde sind dabei (wie auch im Hügel) nicht gemacht worden und wissenschaftliche Beobach­tungen konnten also nicht mehr gemacht werden, soweit der Grabinhalt in Betracht kam ... 2 m südlich von der Mitte der Grabkammersüdwand wurde eine von Nord nach Süd orientierte Bestattung (mit spurlos vergangenem Skelett) konstatiert ... Innerhalb der Bestattungsgrenzen wurden 0,90 m von dem Steinkegel nach Süden, ein nicht ornamentierter Scherben von ausge­sprochenem stein­zeitlichem Typ gefunden. Diese Bestattungen ... gehören jedenfalls ganz an das Ende der Steinzeit ...”

Archäologische Funde waren also – dem Fundbericht nach zu urteilen – Mangelware. Diese Aussage gilt auch für die beiden benachbarten Grabhügel, die Lienau seinerzeit ebenfalls untersuchte. Dennoch waren die wenigen keramischen Funde von dort immerhin so aussage­kräftig, dass sie eine Aussage über ihre zeitliche Herkunft, die Zeit des Überganges von der Stein- zur frühen Bronzezeit, gestatten. Im Uelzener Becken weisen diese auch als Block­kisten bezeichneten Gräber „ein lokales Dichte­zentrum” (F. Laux) auf.

Bemerkenswert ist auch der Weg, auf dem die Steinkiste aus Molbath zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus dem Kreis Uelzen nach Lüneburg gelangte - sie wurden tatsächlich mit Pferd und Wagen transportiert! Ob diese Transportmittel auch bereits bei der Erbauung des Grabes zur Anwendung gelangten, darf jedoch bezweifelt werden – tatsächlich werden es Rollen und Seile gewesen sein, mit denen man die riesigen Steine über künstliche Erdrampen an ihren (vermeintlichen) endgültigen Standort beförderte.

(Dietmar Gehrke)

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