Jean Leppien in Lüneburg

Der künstlerische Nachlass des wohl bedeutendsten Lüneburger Künstlers des 20. Jahrhunderts, Jean Leppien, ist von dem renommierten Auktionshaus Van Ham Estate in Köln aufgenommen worden. Doch nicht alles ging nach Köln – fünf Bilder werden künftig im Museum Lüneburg zu sehen sein. Der Neffe und Patensohn von Jean Leppien, der erst kürzlich verstorbene Jurist und Senator h.c. Thomas Leppien, führte viele Gespräche mit dem Museum: Wo könnten die Bilder dauerhaft präsentiert werden, was ist ein angemessener Platz? Schließlich ist das Museum kein Kunstmuseum, auch wenn es zahlreiche Bilder Lüneburger Künstler in seiner Sammlung hat. Am Ende gab es eine Schenkung für das Museum, das sich geehrt und der Person und Familie von Jean Leppien verbunden fühlt. Der schriftliche Nachlass Jean Leppiens ist im Lüneburger Stadtarchiv; er soll in den nächsten Jahren aufgearbeitet werden.

Malerei von Jean Leppien
Jean Leppien, Triptyque/ Triptychon 3/53 XXXIX 1953, Museum Lüneburg (Foto: Museum Lüneburg)

Zweifellos ist das Werk von Jean Leppien von herausragender künstlerischer Qualität. Doch eng verbunden mit dem Werk ist die Biographie des Künstlers. Zwei Lebensphasen sind für den am 8. April 1910 als Kurt Gottfried Leppien in Lüneburg geborenen Sohn des Rosshaarfabrikanten Jean Gottfried Leppien prägend: 1929/30 das Studium am Bauhaus in Dessau bei Kandinsky, Albers und Klee und die Nachkriegszeit. Zwischen 1933 und 1945 lebt Leppien in Paris. Seine Frau Suzanne ist Jüdin, sie haben Berlin verlassen, um zu überleben. 1944 verhaftet die Gestapo Suzanne Leppien und deportiert sie nach Auschwitz, ihr Mann wird verhaftet. Ein Wiedersehen scheint ausgeschlossen. Und doch überleben sie und treffen sich in Paris wieder. Ein beinahe unbeschreiblicher Moment an diesem 25. Mai 1945 in der Rue de l‘Estrapade, den Jean Leppien in seiner 1987 erschienenen Autobiographie „Ein Blick hinaus“ festhält: „Ich läute … jemand macht die Tür auf … Suzanne.“

Die beiden leben in Paris und an der Côte d’Azur. Hier entstehen mit Stift und Pinsel die abstrakten Bilder mit geometrischen Formen, mit Linien, Kreuzen, Kreisen und Farbflächen. Nach den Jahren im Gefängnis und den traumatischen Erlebnissen der letzten Kriegsjahre wollte Jean Leppien frei sein, von den Zwängen des Kunstmarktes und den Trends der Zeit. Er selbst schrieb dazu: „Ein abstraktes Bild stellt nichts Bestehendes dar, es besteht. (…) Es schafft durch rein malerische Mittel eine Stimmung, ein Klima, die dem Beschauer jegliche Freiheit für seine eigene Deutung lassen.“

Jean Leppien ist sehr erfolgreich. Seine Ausstellungen sind in Paris, Mailand, Florenz, Zürich, Lausanne, Frankfurt zu sehen – und 1988 und 2010 auch in Lüneburg. Dauerhaft haben nun fünf Bilder von Jean Leppien im Museum ein Zuhause gefunden.

(Heike Düselder)

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