Römisches von der Elbe

Terrasigillataschale

Bei dieser sog. Terrasigillataschale handelt es sich um die weltweit wohl älteste Fabrikware. Dieses Gefäß stammt aus dem gallischen Teil des römischen Reiches und wurde von den germanischen Bewohnern der hiesigen Region als Urne benutzt.

Terrasigillataschale
(Foto: Museum Lüneburg)

Die Schale, im Durchmesser nicht sehr viel größer als ein moderner Suppenteller, wurde im Jahre 1854 am auf dem höchsten Punkt des Elbufers unweit des Ortes Barskamp bei Bleckede gefunden, einem Gebiet also, das bereits kurz nach Christi Geburt Ziel einer römischen Expedition geworden war. Nach ihrer Auffindung wurde sie dem Lüneburger Altertumsverein übergeben, dessen Sammlung wiederum den Grundstock des späteren Lüneburger Museum bildete. Dort ist sie bis heute fester Bestandteil der Dauerausstellung. In einer Episode der ARD-Telenovela „Rote Rosen“ spielt ein Teil dieser Schale sogar als Entdeckung eines Archäologen eine Rolle. Bei der dort zum Einsatz gelangten Requisite handelt es sich in Wirklichkeit allerdings um die Scherbe eines Blumentopfes. Das Original enthielt die verbrannten Überreste eines Menschen und gehörte wahrscheinlich zu einem von mehreren langobardischen Urnenfriedhöfen aus den ersten Jahrhunderten nach Christi Geburt, die in dem Gebiet zwischen Barskamp, Darzau und Hitzacker-Marwedel entdeckt wurden. Bemerkenswert ist die Angabe aus dem Lüneburger Museumskatalog, der zufolge das Gefäß ursprünglich von einem kleinen Grabhügel bedeckt war. Diesen Bestattungsbrauch kennen wir eigentlich erst von den langobardischen Urnenfriedhöfen aus späterer Zeit. Die Schale selbst jedoch ist römischer Herkunft. 'Terra Sigillata' (lateinisch) bedeutet 'gesiegelte Erde' und wurde wegen der aufgepressten Fabrikantenzeichen als Bezeichnung für solche Gefäße gewählt.

Diese rote, hart gebrannte Ware war ein begehrtes Handelsgut zu Zeiten der römischen Kaiser und wurde z. T. über sehr lange Strecken hinweg verhandelt. Zu ihrer Herstellung war eine sog. Formschüssel nötig, in die mit einem Positivstempel eine Negativform der gewünschten Motive eingedrückt worden war. In dieser Formschüssel wurde dann das Gefäß ausgedreht, nach dem Antrocknen herausgenommen und anschließend gebrannt. Auf dem Barskamper Exemplar dargestellt ist eine Jagdszene, in der u. a. auch ein Löwe auftaucht.

Diese sehr qualitätvolle Ware breitete sich sehr schnell in eigenen Werkstätten über Gallien und später auch Britannien und Germanien aus. Gemeinsam mit den drei sog. "Fürstengräbern" der gleichen Epoche aus Marwedel bei Hitzacker, von denen die Barskamper Schale weder räumlich noch zeitlich allzu weit entfernt liegt, stellt dieser Fund (neben dem Bericht eines Teilnehmers der römischen Expedition des Tiberius im Jahre 5 n. Chr.) den wohl eindrucksvollsten Beleg von römisch-langobardischen Kontakten an der Elbe in den Jahrhunderten nach Christi Geburt innerhalb der Lüneburger Museumssammlung dar.

(Dietmar Gehrke, Ur- und Frühgeschichte/ Kreisarchäologe)

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