Bratspießhalter und Fettfänger

Die Grillsaison läuft, und auf den Terrassen drehen sich kleine Tiere am Spieß. Das war auch im Mittelalter so, allerdings nicht auf der Terrasse, sondern auf der Feuerstelle der heimischen Küche.

Bratspießhalter

Als Halterung der Bratspieße dienten Bratspießhalter aus gebranntem Ton, besonders in wohlhabenden Haushalten. Diese Halterungen waren oft keilförmig nach oben verjüngt und besaßen mehrere Löcher. Natürlich benötigte man immer zwei Bratspießhalter. Durch die Löcher wurde der Bratspieß gesteckt oder in diese eingehängt. Der Bratspieß konnte also in der Höhe variabel eingestellt werden. Da diese Bratspießhalter aber nur bis zu 20 Zentimeter hoch waren, konnte man allenfalls kleine Tiere oder Tierteile braten. Bildliche Darstellungen von mittelalterlichen Küchen zeigen aufwändige Bratspieße, die mit der aufsteigenden heißen Luft des Küchenfeuers angetrieben wurden. Doch diese kleinen keramischen Bratspießhalter mussten sicherlich per Hand gedreht werden.

Bei Ausgrabungen in der Lüneburger Innenstadt wurden mittlerweile einige Fragmente von Bratspießhaltern geborgen. Sie waren oft mit Ritz- oder Stempelmustern verziert. Natürlich lief das herunter tropfende Fett nicht einfach in das glühende Holz. Die Spieße standen leicht versetzt vor dem Feuer, und unter dem Braten befand sich ein Fettfänger. Solche Fettfänger, große schwere „Schalen“ aus Ton, wurden ebenfalls bei Ausgrabungen entdeckt.

Fettfänger
Fettfänger, erhaltene Länge 52 cm (Foto: Hansestadt Lüneburg, Stadtarchäologie)

Sicherlich ist dieses mittelalterliche Küchenequipment nicht zu vergleichen mit den großen aufwändigen Gasgrills mit Seitenbrennern, die man heute allenthalben auf Terrassen und Balkonen sieht. Doch auch im Mittelalter wurde der Braten gar.

(Prof. Dr. Edgar Ring, Kurator Archäologie / Stadtarchäologe)

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