Ein Mann und ein Junge spazieren durch eine grün belaubte Allee, der Mann streckt beide Arme hoch in die Luft als wolle er die Welt oder wenigstens die herannahenden Spaziergänger mit ihren Hunden umarmen
Die Allee aus Sommerlinden auf dem Lüneburger Graalwall prägt das Stadtbild (Foto: Max Peters/ Niedersächsischer Heimatbund e.V.)

Eine Reise durch niedersächsische Alleen

„Mit Alleen gegen die Klimakrise“

Fotoausstellung im Museum Lüneburg | 01. – 30. Mai 2021

Ort: Abt. „erinnern & erhalten“,  Eintritt: frei

Die Fotoausstellung „Land der Alleen – Die schönsten und wertvollsten Alleen in Niedersachsen“ zeigt Alleen in ihrer Vielfalt. Unterschiedliche Baumarten und Anordnungen sowie jahreszeitliche Stimmungen lassen Besucherinnen und Besucher anhand von über 60 Bildern in diese besondere Form der Kulturlandschaft eintauchen. Die Wanderausstellung des Niedersächsischen Heimatbundes (NHB) beleuchtet neben der historischen Entwicklung vor allem die Bedeutung von Alleen für den Naturschutz und den Erhalt der niedersächsischen Kulturlandschaften. Der NHB setzt sich seit Langem für den Erhalt der Alleen ein und will mit der Ausstellung ein Bewusstsein für diese oft vernachlässigten, aber wichtigen Elemente in den Kulturlandschaften wecken. Er hat mit Hilfe der Niedersächsischen Bingo!-Umweltstiftung von Januar 2015 bis heute eine repräsentative Übersicht über die niedersächsischen Alleen erarbeitet. Mit Hilfe des interaktiven Web-Portals Alleen in Niedersachsen wurden niedersachsenweit über 2.000 Alleen (darunter 12 im Lüneburger Stadtgebiet) von engagierten Bürgerinnen und Bürgern gemeldet. Sie wurden von Projekt-Mitarbeitern des NHB aufgesucht und fotografiert. Die besten Aufnahmen aus diesem Projekt werden im Museum Lüneburg bis 30. Mai 2021 in der Wanderausstellung präsentiert. Der Eintritt in die Ausstellung ist frei.

Die Ausstellung wird gefördert mit Mitteln des Landes Niedersachsen vom Lüneburgischen Landschaftsverband sowie durch die Landschaftsverbände Südniedersachsen und Stade, die Schaumburger, die Oldenburgische, die Emsländische und die Braunschweigische Landschaft. Die Kosten für die Ausstellung im Museum trägt der Lüneburger Bürgerverein.

Alleen – wichtige Elemente der Kulturlandschaft

Alleen prägen seit Jahrhunderten das Landschaftsbild in Niedersachsen. Ursprünglich in herrschaftlichen Parkanlagen entstanden, begleiteten sie seit der Mitte des 18. Jahrhundert die neuen Chausseen. Andere betonten bedeutende Gebäude in der Landschaft oder dienten als Futter- und Fruchtbringer entlang von Heerstraßen, Handels-, Kirch- und Pilgerwegen. Als die mittelalterlichen Stadtbefestigungen wie die Wälle ihre Funktion verloren, wurden viele mit Alleen bepflanzt und dienen wie die öffentlichen Parks bis heute der Erholung der Bürgerinnen und Bürger. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts waren Alleen in der Kulturlandschaft überall verbreitet. Mit dem Ausbau der Straßen in den 1960er- und 1970er-Jahren wurden viele Alleen beseitigt. Doch viele historische Alleen blieben erhalten, neue wurden gepflanzt.

Alleen vernetzen Lebensräume

Alleen gliedern und beleben Räume in der Landschaft. Gerade in landwirtschaftlich intensiv genutzten Gegenden sind sie oft die einzigen strukturgebenden Elemente. Sie vernetzen dadurch im Biotopverbund wertvolle natürliche Lebensräume und sind selbst Lebensraum für eine artenreiche Insekten- und Vogelfauna. Fledermäuse nutzen Alleen als Jagdbiotope und segeln gern entlang der linienförmigen Strukturen an den Straßen. Straßenbäume sind zudem wichtig für das Mikroklima, sie beugen der Bodenerosion vor, tragen maßgeblich zur Luftfilterung und Reduzierung der Feinstäube in den Verkehrsabgasen bei.

Die Geschichte der Alleen in Niedersachsen

Der Begriff Allee kommt aus dem französischen „aller“ für „gehen“. Der Mediziner Charles Estienne beschrieb damit erstmals 1536 einen schattigen Gehweg in einem architektonischen Garten. Doch bereits im Altertum gab es im Orient, im alten Ägypten und im Römischen Reich Beschreibungen von Straßen, die beidseitig von Bäumen gesäumt wurden. Seit der Renaissance wurden Alleen gestalterisch in Gärten und Parks des Adels gepflanzt, auch in Niedersachsen. Im 18. Jahrhundert wurden Alleen vermehrt als Begleitung von Chausseen angelegt. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts dienten Alleen der Gestaltung städtischer Räume, etwa der militärisch nun unnötigen Wallanlagen. Im Wachsen der Städte im 19. Jahrhundert wurden ihre neuen Ausfallstraßen mit Alleen bepflanzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm der Straßenverkehr stark zu und ein Großteil der niedersächsischen Alleen musste dem Straßenausbau weichen. Doch in den späten 1970er-Jahren kam es zu einem Umdenken und neue Alleen entstanden. Heute prägen viele Alleen unsere Kulturlandschaft; sie zu erhalten ist eine notwendige und zugleich angenehme Pflicht.

Publikationen

Ein Sonderheft der Zeitschrift Niedersachsen widmet sich ebenfalls diesem Thema und allmonatlich kürt der NHB die „Allee des Monats“, die auf Facebook und auf der Webseite des Niedersächsischen Heimatbundes präsentiert wird. Beim Niedersächsischen Heimatbund erhältlich ist das „Handbuch für Alleepaten und Baumfreunde“ mit den Referaten der Fachtagung „Alleen in Niedersachsen“ vom 31. Januar 2020 sowie weiteren Beiträgen zu den „Alleen in Niedersachsen.“

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