Veranstaltungen des Museumsvereins

Der Museums­verein für das Fürsten­tum Lüneburg e. V. lädt regel­mäßig, üblicher­weise mittwochs um 19:30 Uhr, zu einem öffent­lichen Vortrag über ein kultur­historisches Thema ein. Der Eintritt kostet 4 €, Vereinsmit­glieder haben freien Eintritt. Außerdem organisiert der Museumsverein in unregelmäßigen Abständen Exkursionen zu kulturhistorischen Themen, an denen auch Nicht-Mitglieder teilnehmen können.

Lüneburger Geschichte(n)

Vortragsreihe, Winterhalbjahr 2021/22

Programm-Flyer herunterladen(1,3 MB)

Mi., 13.10.21  |  19 Uhr (!)

Wie und Wo R(r)echt gesprochen wird
Gerichtsortausstattungen in der Frühen Neuzeit

Dr. des. Ann-Kathrin Hubrich M.A., Uni Hamburg
Laudatio: Dr. Barbara Uppenkamp, Uni Hamburg

Laube des Niedergerichts im Rathaus Lüneburg
Das Niedergericht am
Lüneburger Rathaus

Gerichtsorte in der Frühen Neuzeit waren oftmals mit umfangreichen Bild- und Ausstattungsprogrammen versehen. Biblische Motive wie Das Jüngste Gericht sowie weltliche Tugenden und vorbildhafte Heldinnen und Helden dienten als Referenzrahmen für juridisches Personal und Angeklagte vor Gericht. Ein besonders prächtiges Beispiel bildet das Lüneburger Rathaus, welches mehrere historische Gerichtsorte beherbergt, an denen sich die enge Verknüpfung von Ausstattung und rechtshistorischer Entwicklung nachzeichnen lässt.

Der Vortrag beleuchtet aus kunsthistorischer Perspektive das am Rathaus situierte Lüneburger Niedergericht im Kontext der städtischen Rechtsprechung. Zudem wird das künstlerische Programm in den Bildtraditionen des 16. und 17. Jahrhunderts verortet. Dabei werden Fragen nach der Verbindung von Recht, Religion und Herrschaft aufgeworfen: Welche Funktion erfüllt die künstlerische Ausstattung? Warum waren Themen wie die „Salomonische Rechtsprechung“ oder das „Urteil Susannas“ so beliebt? Wie werden die Betrachtenden in die räumlichen Strukturen miteinbezogen? Der Aushandlungsprozess dessen, was als recht und gerecht gilt, berührt folglich große Themen wie Macht, Repräsentation und den Stellenwert der bildenden Kunst.

Dr. des. Ann-Kathrin Hubrich ist Preisträgerin des Forschungspreises des Museumsvereins 2019

Ort: Marcus-Heinemann-Saal,  Eintritt 4 € (Vereins­mitglieder frei)

Mi., 17.11.21  |  19:30 Uhr

Lüneburg 45 – Die Anfänge der britischen Besatzungszeit, erlebt von einer Lüneburger Pastorenwitwe

Dr. Uwe Plath, Lüneburg

Stadtansicht Lüneburg 1945, Blick von WestenDie Geschichte vom Ende des Zweiten Weltkrieges und von den Anfängen nach der »Stunde Null« haben auch heute, nach 75 Jahren, ihre Aktualität nicht verloren. Das gilt auch für die Geschichte Lüneburgs. Dieser Zeitraum bedarf noch immer einer umfassenden historischen Erforschung. Zwar gibt es verschiedene Studien, die auf das Ende des Zweiten Weltkrieges und die Auswirkungen auf die Menschen in Stadt und Landkreis Lüneburg eingehen und dabei auch die Anfänge der britischen Besatzung berühren; aber eine Darstellung der britischen Besatzungszeit in Lüneburg, die immerhin fast 15 Jahre währte, liegt zum Beispiel noch nicht vor.

Auch die Lüneburgerin, die mit ihren »Aufzeichnungen« aus dem Jahre 1945 vorgestellt werden soll, geht nur auf die Anfänge der britischen Besatzungszeit in Lüneburg ein. Ihre Notizen umfassen einen Zeitraum von etwa zwei Monaten, von Ende April bis Ende Juni. Es sind teilweise sehr private Notizen. Sie enthalten keine sensationellen Neuigkeiten, sondern handeln vor allem von Alltagsgeschichte: von dem Alltag einer 77-jährigen Frau, von ihrem Bekanntenkreis, von den Gerüchten und den Nachrichten, die sie damals erhält; von Ereignissen, die sie erlebt; von Ängsten, Sorgen und Nöten, die sie und viele Einwohner der Stadt damals bewegten. Sie berichten auch von dem Auftreten der Engländer und ersten Schritten eines Neubeginns in der Verwaltung der Stadt und im kirchlichen Leben.

Ort: Marcus-Heinemann-Saal,  Eintritt 4 € (Vereins­mitglieder frei)

Mi., 19.01.22  |  19:30 Uhr

Lüneburg und die Aufklärung im „geselligen“ 18. Jahrhundert: Voraussetzungen – Akteure – Entwicklungen

Dr. Christoph Reinders-Düselder, Lüneburg


Friedrich Ernst von Bülow

Lüneburg sah sich im 18. Jahrhundert einem vielfältigen Wandel ausgesetzt, dessen Anfänge spätestens mit dem Ende des 30-jährigen Krieges zu wirken begannen, nunmehr allenthalben spürbar wurde und Einfluss zu nehmen begann auf alle Bereiche städtischen Lebens. Politisch erstarkte einerseits der Einfluss der landesherrlichen Autorität, andererseits drängten zunehmend Teile des städtischen Bürgertums danach, an der Gestaltung städtischen Lebens stärker als zuvor Teilhabe zu fordern und durchzusetzen und den alleinigen Anspruch des bis dahin dominanten Patriziats zu beschränken.

Das politisch-kulturelle Leben der städtischen Gesellschaft fand jetzt auch Ausdruck in der Existenz verschiedener Klubs, einer Lesegesellschaft, einer Loge der Freimaurer. All diese „Sozietäten“ entstanden nahezu zeitgleich in den siebziger und achtziger Jahren des „aufgeklärten“ Jahrhunderts, griffen grundlegende Ideen und Gedanken der Aufklärung auf, denen sie Geltung zu verschaffen suchten. Der Vortrag geht einzelnen Spuren dieser Entwicklung nach, wendet sich den verschiedenen „Gesellschaften“ und deren Akteuren zu, sucht Antworten auf Fragen nach ihrer Entwicklung und Ausgestaltung, nach ihren Gemeinsamkeiten und Differenzen, ihren Ansprüchen und ihrer Praxis.

Ort: Marcus-Heinemann-Saal,  Eintritt 4 € (Vereins­mitglieder frei)

Mi., 23.02.22  |  19:30 Uhr

Die Welt im Schrank – Das Sammlerkabinett des Reiseschriftstellers Johann Georg KeyB/er (1693–1743)

Dr. Ulfert Tschirner, Museum Lüneburg

Johann Georg Keyßler
Johann Georg Keyßler,
Kupferstich von
Christian Fritzsch, 1751

Johann Georg Keyßler war ein Gelehrter der Frühaufklärung. Die längste Zeit seines Lebens verbrachte er seit 1716 als Hauslehrer auf Schloss Gartow im Hannoverschen Wendland. Bekannt wurde Keyßler vor allem als Reiseschriftsteller. Von einer Grand Tour, die ihn 1727–1731 durch halb Europa führte, schrieb er Briefe, die später als Reisebericht gedruckt wurden. Das Buch wurde von vielen Reisenden als eine Art Baedeker benutzt, auch Goethe kannte „den Keyßler“ seit frühester Jugend.

Weniger bekannt ist, dass Keyßler zudem ein leidenschaftlicher Sammler war. Er besaß einige hochinteressante heidnische Altertümer und einige für die Sammlungen der Zeit typische Kuriositäten. Vor allem aber war das Kabinett der Erkenntnis der Naturgeschichte gewidmet. Sein „Apparatus Curiosorum Naturalium et Artificialium“ umfasste schließlich mehr als 1000 Gegenstände. In einem schlichten Schrank aus Tannenholz hat ein Teil von Keyßlers Sammlung die Zeitläufte weitgehend unbeschadet überdauert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam der Schrank samt Inhalt in das Lüneburger Museum. Es war ein wesentlicher Baustein zur Rekonstruktion eines Raritätenkabinetts im Lüneburger Museum und wird dies auch zukünftig sein. Der Vortrag stellt den Gelehrten, seine Sammlung und einzelne daraus erhaltene Stücke vor und versucht erstmals, die Verbindungen zwischen dem Ort Gartow, den Reisen Keyßlers und seiner „Welt im Schrank“ zu untersuchen.

Ort: Marcus-Heinemann-Saal,  Eintritt 4 € (Vereins­mitglieder frei)

Mi., 16.03.22  |  19:30 Uhr

Stadtarchäologie in Lüneburg – 2021 +/- 30

Prof. Dr. Edgar Ring, Lüneburg


Schlangenglas, Venedig,
um 1600

Im Jahre 1991 schuf die Stadt Lüneburg erstmals eine Stelle für einen Stadtarchäologen. Zuvor wurden immer wieder das Museum für das Fürstentum Lüneburg und das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege in der Altstadt aktiv, doch Kritiker verwiesen auf den dennoch eintretenden Verlust archäologischer Quellen. Nun angesiedelt im Baudezernat der Stadt und eingebunden in den Genehmigungsprozess der Bauvorhaben, ist die Stadtarchäologie in der Lage, früh die Interessen der Stadtgeschichtsforschung zu vertreten.

Die Archäologie in der Hansestadt Lüneburg hat einen Schwerpunkt in der Neuzeitarchäologie. Über 70 Kloaken konnten bereits ausgegraben werden. Doch auch die Erforschung der mittelalterlichen Stadt schreitet voran. Die wissenschaftliche Auswertung der Ausgrabungen erfolgt in Zusammenarbeit mit Archäologen, Historikern, Kunsthistorikern und Naturwissenschaftlern. Die Ergebnisse dieser Forschungen finden ihren Niederschlag nicht nur in zahlreichen Veröffentlichungen, sondern seit fünf Jahren auch im Museum Lüneburg.

Der Rückblick auf nahezu drei Jahrzehnte Stadtarchäologie ist auch verbunden mit einer Antwort auf die Zukunft der archäologischen Forschung in der Hansestadt.

Prof. Dr. Edgar Ring – ehem. Stadtarchäologe und Kurator Archäologie am Museum Lüneburg

Ort: Marcus-Heinemann-Saal,  Eintritt 4 € (Vereins­mitglieder frei)

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