Die Ebstorfer Weltkarte

Lange bevor die Seefahrer durch ihre Entdeckungen das geografische Wissen stetig erweitern und die Kartographie Fortschritte macht, gibt es schon Weltkarten. Im Kloster Ebstorf, einem der sechs Frauenklöster im ehemaligen Fürstentum Lüneburg, entsteht um 1300 diese monumentale Karte von beinahe 12 Quadartmetern Fläche. Geografische Gegebenheiten, biblische Geschichten, Sagen und Legenden, Vorstellungen von Orten, Menschen und Tieren vermischen sich hier zu einem Weltgemälde, das uns auf beeindruckende Weise das mittelalterliche Denken und Wissen vor Augen stellt.

Ebstorfer Weltkarte
Ebstorfer Weltkarte  (per Rechtsklick: "Grafik anzeigen" lässt sich das Bildformat vergrößern)

Auf dem Pergament ist der Erdkreis mit den bekannten Erdteilen nach einem althergebrachten Schema dargestellt. Demnach trennen Meere und Flüsse den Erdkreis etwa in der Form eines Kreuzes in drei Teile. Oberhalb des Querbalkens befindet sich der größte Erdteil, Asien. Darunter teilen sich Europa und Afrika die untere Hälfte.

Anders als die neuzeitlichen Karten und Globen hat die Ebstorfer Weltkarte vor allem eine religiöse Bedeutung. Christus steht als Weltenherrscher über allem und umfängt den Erdkreis und damit die Fülle des irdischen Daseins und Wissens beschützend mit seinen Körper. Haupt, Hände und Füße sind oben, an den Seiten und im unteren Teil der Karte gut zu sehen.

Die lateinischen Texte in den Randbereichen stammen aus der berühmten spätantiken Erdbeschreibung des Isidor von Sevilla. Woher weiß man im Kloster Ebstorf davon? Auch die Frauenklöster sind im Mittelalter Orte des Wissens und der Bildung und in den Klosterbibliotheken wird viel Wissen über die Welt zusammengetragen und studiert.

Leider ist die Karte nicht mehr im Original erhalten. Ihre Geschichte ist eindrucksvoll und tragisch. Nach der Reformation verschwindet die Karte für mehrere Jahrhunderte in einer Kammer des Kloster Ebstorf, denn inzwischen ist neues Wissen und ein neues Denken aufgekommen. 1832 findet man sie wieder auf und bringt sie nach Hannover. 1943 wird das Original bei einem Bombenangriff auf Hannover im Archiv zerstört. Der Museumsverein für das Fürstentum Lüneburg beauftragt 1950 den Graphiker Rudolf Wieneke, vier Nachbildungen der Karte in originaler Größe anzufertigen, von denen eine im Museum gezeigt wird.

Die Ebstorfer Weltkarte stellt ohne Zweifel ein besonders hervorzuhebendes Ausstellungsstück des Museums dar und nicht nur Forscher widmen sich diesem faszinierenden Blick ins Mittelalter mit besonderem Interesse.

(Heike Düselder)

Siehe hierzu auch ein Projekt der Leuphana Universität Lüneburg: Ebskart – Die Ebstorfer Weltkarte

Zurück zur Übersicht Kulturgeschichtliche Objekte
Zurück zur Übersicht der Sammelgebiete