Marienkrönung

Marienkrönung

Skulptur
Inventarnummer: R.59
Material/ Maße: Eichenholz, Fassungsreste; 79 x 68x 15 cm
Ort/ Datierung: Niedersachsen (?); um 1380

Auf einer Bank, deren Wangen durchbrochenes und flach geschnittenes Maßwerk zeigen, sitzen Christus und Maria, die Füße auf einem Brett in Form einer Doppelkonsole. Maria, die Hände zu einer demütig-abwehrenden Geste erhoben, sitzt links, Christus rechts. Er hält im linken Arm die Weltkugel, mit der rechten Hand setzt er Maria die Krone auf das Haupt. Die Gruppe ist in auffällig flachem Relief gearbeitet. An geschützten Stellen haben sich Partikel von farbiger Fassung und Vergoldung auf Kreidegrund erhalten.

Das Kunstwerk wurde 1896 aus der St. Johanniskirche übernommen. Herbert von Einem nennt es „das wertvollste Werk mittelalterlicher Plastik in Lüneburg, das wir besitzen”.

An verschiedenen Orten lassen sich insgesamt sieben Plastiken nachweisen, die man stilistisch und formal mit der Marienkrönung in engen Zusammenhang bringen kann. Es sind eine Figur Johannis des Evangelisten in der Lüneburger St. Johanniskirche, heute im nördlichen äußeren Seitenschiff mit nicht zugehörigen Tafeln in einem Altaraufbau wohl des 19. Jahrhunderts stehend, der Apostel Bartholomäus und ein bartloser Geistlicher mit Stab im Niedersächsischen Landesmuseum Hannover sowie die Apostel Simon und Jacobus d. Ä., der Verkündigungsengel und die Jungfrau Maria im Victoria and Albert Museum London.

Man darf annehmen, dass alle Skulpturen zu einem Marienaltar der St. Johanniskirche gehörten, der – vielleicht zur Mitte des 19. Jahrhunderts – zerlegt und in Teilen, soweit Interesse bestand, verkauft wurde. Die Londoner Figuren wurden 1856 erworben. Stilistisch stehen die Arbeiten dem Bremer Chorgestühl sehr nahe.

(Eckard Michael †)

Literatur: Herbert von Einem, Die Plastik der Lüneburger Goldenen Tafel (Kunsthistorische Studien des Provinzial-Museums Hannover), Hildesheim (1929), S. 64–65; Helmut Reinecke, Einige wenig bekannte Meisterwerke niedersächsischer Skulptur der Gotik, in: Pantheon 27, 1941, S. 64–67; Gert von der Osten (Bearb.), Katalog der Bildwerke in der Niedersächsischen Landesgalerie Hannover (Kataloge der Niedersächsischen Landesgalerie 2), München 1957, S. 60 f., Nr. 40, 41; Meyne, S. 16–18; Johannes Sommer, Die sieben Figuren von Satemin, in: Niederdeutsche Beiträge zur Kunstgeschichte 3, 1964, S. 275–284, bes. S. 283 f. mit Abb. 214; Alfred Löhr, Das Chorgestühl im Dom zu Bremen, in: Niederdeutsche Beiträge zur Kunstgeschichte 13, 1974, S. 123–180, S. 163 ff., mit Abb. 57.

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