Veranstaltungen des Museumsvereins

Der Museums­verein für das Fürsten­tum Lüneburg e.V. lädt regel­mäßig, üblicher­weise mittwochs um 19:30 Uhr, zu einem öffent­lichen Vortrag über ein kultur­historisches Thema ein. Der Eintritt kostet 4 €, Vereinsmit­glieder haben freien Eintritt. Außerdem organisiert der Museumsverein in unregelmäßigen Abständen Exkursionen zu kulturhistorischen Themen, an denen auch Nicht-Mitglieder teilnehmen können.

Vortragsreihe, Winterhalbjahr 2019/20

Programm-Flyer herunterladen(1,2 MB)

Mi., 16.10.19  |  19:30 Uhr

Zwischen Aufstand und Anpassung. Lüneburger Juristen und die Revolution von 1848/49

Dr. Christopher Scharnhop, Lüneburg

Georg Theodor Meyer
Der Lüneburger Jurist Georg
Theodor Meyer als Abgeord-
neter der Frankfurter Pauls-
kirchenversammlung

1848 kam die Revolution auch nach Lüneburg. Hier brannten keine Straßenbarrikaden, keine Toten waren zu beklagen. Die Revolution gipfelte in der Gründung eines Bürgervereins, der einen Meilenstein in der Entwicklung des bürgerlichen Mitspracherechts auf kommunaler Ebene darstellt. Verbunden ist die Gründung des Lüneburger Bürgervereins mit dem Namen August Gumbrechts, der sich erst kurz zuvor als Anwalt in Lüneburg niedergelassen hatte. Er wurde Abgeordneter der Frankfurter Paulskirchenversammlung und später Abgeordneter zahlreicher Parlamente und erster Harburger Oberbürgermeister. Abgeordneter in der Frankfurter Paulskirche wurde auch Georg Theodor Meyer, der später hannoverscher Kultusminister wurde. Minister wurde auch Christian Wilhelm Lindemann, Lüneburgs erster Oberbürgermeister. Viele Parallelen in den politischen Karrieren Lüneburger Juristen, die aus dem Jahr 1848 nicht als Revolutionäre, vielmehr als Politiker hervorgingen, die neue Möglichkeiten der bürgerlichen Schicht im Königreich Hannover für sich zu nutzen wussten.

[Dr. iur. Christopher Scharnhop, Rechtsanwalt in Lüneburg]

Ort: Marcus-Heinemann-Saal,  Eintritt 4 € (Vereins­mitglieder frei)

Mi., 13.11.19  |  19:30 Uhr

Die Firma und Familie Leppien in Lüneburg. Frühindustrielles Gewerbe und Bürgertum in einer norddeutschen Mittelstadt

Dr. Thomas Lux, Stadtarchiv Lüneburg

G. W. Fr. Leppien
Gottfried W. Fr. Leppien (1831–
1895; Senator 1880–95), Foto
ca. 1890, Stadtarchiv Lüneburg

Wenn man die Vergangenheit Lüneburgs aus wirtschaftshistorischer Sicht in den Blick nimmt, so steht selbstverständlich zunächst die noch bis 1980 produzierende Saline im Vordergrund. Allerdings gab es eine Reihe von Unternehmen, die für die Stadt von ökonomischer Bedeutung waren, allein schon unter dem Aspekt, die nicht immer glückliche Dominanz der Saline etwas zu lindern. Zu diesen Unternehmungen zählte ganz ohne Zweifel die bereits im Jahre 1837 von Georg Leppien gegründete Haartuchweberei, die lange zu den prägenden Gewerbebetrieben der nicht allzu großen Mittelstadt an der Ilmenau gehörte. Noch ganz einer älteren Zeit verhaftet, lebte die Unternehmerfamilie am Unternehmenssitz in Lüneburg. Der Unternehmenszweck war die Verarbeitung von Rosshaar zu einer Vielzahl von Produkten, die heute nahezu unbekannt sind. Anhand von Unterlagen und Fotografien aus dem Stadtarchiv soll diese historische Produktionsweise, Produkte sowie Rohstoff- und Absatzmärkte näher beleuchtet werden. Des Weiteren wird versucht werden, die Geschichte dieses Unternehmens und der Inhaberfamilie im Kontext der Lüneburger Geschichte zu veranschaulichen und gleichsam zu einer „Blaupause” großbürgerlicher Existenzweise zu konkretisieren.

[Dr. phil. Thomas Lux, Archivdirektor und Leiter der Ratsbücherei Lüneburg]

Ort: Marcus-Heinemann-Saal,  Eintritt 4 € (Vereins­mitglieder frei)

Mi., 15.01.20  |  19:30 Uhr

„Lateinisches Welfenland” –

Zur frühneuzeitlichen lateinischen Gelegenheitsdichtung im Herzogtum Braunschweig-Lüneburg

Dr. Matthias Bollmeyer, Jever

Aliud
„Aliud …”. Beispiel religiöser latei-
nischer Prosa des 16./17. Jhdts.,
HAB Wolfenbüttel

In den welfischen Fürstentümern entwickelte sich im 16. und 17. Jahrhundert in zunehmendem Maße kulturelle Aktivität, die ihren literarischen Ausdruck in gebildeter lateinischer Gelegenheitsdichtung fand. Die Zentren der Literaturproduktion waren dabei besonders die Lateinschulen, die Kirchengemeinden und die junge Universität Helmstedt. In einigen Städten und Regionen bildeten sich oftmals über Jahre stabile, regelrechte Personenzirkel von Verfassern und Widmungsempfängern heraus, die sich zu verschiedenen Anlässen ihres Lebens gegenseitig lateinische Gelegenheitsgedichte widmeten. Für die Landesgeschichte der Region ist die Beschäftigung mit dieser Art von Literatur insofern besonders ergiebig, weil regelmäßig biographische, prosopographische und andere historische Bezüge und Interdependenzen erkennbar werden und einen persönlichen Einblick in die Geschichte ermöglichen.

[Dr. phil. Matthias Bollmeyer, Studienrat in Aurich]

Ort: Marcus-Heinemann-Saal,  Eintritt 4 € (Vereins­mitglieder frei)

Mi., 19.02.20  |  19:30 Uhr

„Warhafftige Beschreybung des menschlichen Lebens” –

Gewöhnliche und ungewöhnliche Lebensgeschichten aus Lüneburg

Prof. Dr. Heike Düselder, Lüneburg

Stammtafel
Stammtafel des Leonhard v. Dassel
(Ausschnitt), Museum Lüneburg

Kaum eine Quelle gibt so ausführlich Auskunft über das Leben und Sterben eines Menschen wie die gedruckten Leichenpredigten, die im 17. und 18. Jahrhundert beliebte Druckwerke zur dauerhaften Erinnerung an die Verstorbenen bildeten. Sie enthalten Biographien mit detaillierten Informationen zu Herkunft, Familie, Beruf und Charakter, schließlich zum Sterbeverlauf und den sogenannten „letzten Dingen”. Auch aus Lüneburg sind zahlreiche Leichenpredigten auf Männer, Frauen und Kinder erhalten. Bemerkenswerte Lebensgeschichten und manche Besonderheiten, ja, selbst „Klatsch und Tratsch”, kommen dabei ans Licht. Auch die Ehefrauen der Lüneburger Bürgermeister Heinrich Töbing und Leonhard Elver, Dorothea, geb. Tzerstede, und Barbara, geb. Koppen, treten so aus dem Schatten der Geschichte heraus. Ihre Leichenpredigten zeigen diese Frauen in einer facettenreichen Lebenswelt als Akteurinnen sowohl im privaten als auch im öffentlichen Leben.

[Prof. Dr. phil. Heike Düselder, Direktorin Museum Lüneburg]

Ort: Marcus-Heinemann-Saal,  Eintritt 4 € (Vereins­mitglieder frei)

Mi., 18.03.20  |  19:30 Uhr

„Aufgeknüpft am höchsten Galgen der Stadt Hamburg”

Dr.-Ing. Hansjörg Rümelin, Hannover

Matthias Reinecke
Matthias Reinecke: Auch er en-
dete am Hamburger Galgen.

Am zweiten Weihnachtstag 1644 brach eine Verhaftungswelle über die Stadt Lüneburg herein, die sich bis in die Nacht hinzog, als man den letzten Beschuldigten aus dem Bett heraus in Haft nahm. Was war geschehen? Der aus der Prignitz stammende Kirchendieb Matthias Reinecke hatte unter der Folter mehrere Lüneburger Bürger der Mittäterschaft an dem von ihm begangenen schweren Diebstahl an der Goldenen Tafel des Michaelisklosters bezichtigt. Die Umstände der Tat, der Prozessverlauf, der Reinecke innerhalb kürzester Frist in Hamburg an den Galgen, und der quälende Kampf der inhaftierten Bürger gegen die Mühlen der Justiz, der die Stadt Lüneburg an den Rand einer Revolte brachte, sind Thema dieses Vortrags.

[Dr.-Ing. Hansjörg Rümelin, Studiendirektor und Fachberater für Kunst bei der Niedersächsischen Landesschulbehörde]

Ort: Marcus-Heinemann-Saal,  Eintritt 4 € (Vereins­mitglieder frei)

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