„Noch einmal nach der Herkunft fragen …”

Provenienz­forschung am Museum Lüneburg

26. Januar – 04. März 2018

Eine Werkstatt­ausstellung

Eröffnung: Donnerstag, 25.1.2018, 18:30 Uhr

Eingangsbuch
Zugangsbuch des Museums für das Fürstentum Lüneburg mit Einträgen von 1940

„Bei meinem nächsten Besuch in London werde ich noch einmal nach der Herkunft fragen; ich bin jedoch nicht sehr optimistisch, dass viel dabei herauskommt.” So schreibt 1961 ein Verkäufer über den unklaren Hinter­grund eines Ankaufs für das Lüneburger Museum.

Das Zitat steht nicht von ungefähr im Titel der Ausstellung: denn es geht bei der Provenienz­forschung immer darum, nachzu­fragen und nachzu­haken, noch einmal genauer hinzusehen – auch wenn dies nicht immer erfolgver­sprechend und manchmal unbequem erscheint.

Schon lange gehört es zum Alltag von Museen, die Herkunft, „Provenienz”, von Sammlungsstücken zu erforschen. Seit einiger Zeit konzentriert sich Provenienz­forschung auf Objekte, die in der Zeit des National­sozialismus zwischen 1933 und 1945 geraubt oder unter Verfolgungs­druck veräußert worden sein könnten. Grundlage dafür ist die Washingtoner Erklärung von 1998. Ihre Unter­zeichner­staaten verpflichten sich darin, in öffentlichen Institutionen nach NS-Raubkunst zu suchen, die Eigentümer und Erben ausfindig zu machen und „gerechte und faire Lösungen” zu finden. Die Bundes­republik nimmt diese Selbstver­pflichtung sehr ernst und fördert seit Jahren Projekte zur Provenienz­forschung in Museen und Biblio­theken.

Eine solche Förderung hat es auch dem Museum Lüneburg ermöglicht, in den letzten vier Jahren seine Bestände systematisch noch einmal nach der Herkunft zu befragen und NS-Raubkunst zu identi­fizieren. Zum Abschluss des Projekts bietet die Werkstatt­ausstellung einen Einblick in die Methoden, Recherchen und Ergebnisse der Provenienz­forschung in Lüneburg.

Anders als in großen Kunstmuseen geht es hier nicht um wertvolle Gemälde oder Skulpturen, sondern vorrangig um Alltags­gegenstände, Möbel und Kunst­handwerk. Im Mittel­punkt stehen die Geschichten hinter den Objekten: Welche Biografien sind mit ihnen verbunden? Wie gelangten die Stücke über Auktionen und Kunsthandel nach Lüneburg? Und wie ernst hat das Lüneburger Museum jeweils die Frage nach der Provenienz genommen?

Entlang dieser Fragen haben sich die Recherchen in den vergangenen Jahren bewegt. Die Ausstellung zeigt, wie Provenienz­forschung vor Ort abläuft – mal ist sie spannende Detektiv­arbeit, mal bewegende Familien­forschung, mal detaillierte Quellen­analyse – und was sie mehr als siebzig Jahre nach Kriegsende zur Lokal- und Museums­geschichte beitragen kann.

Ort: Marcus-Heinemann-Saaal
Eintritt: 3,- €  (beim Kauf einer regulären Eintrittskarte ist der Eintritt inbegriffen)

Weitere Informationen:
Flyer zur Ausstellung (1,7 MB)
Plakat zur Ausstellung (721 KB)

Weiter­führende Links zum Thema:
Provenienz­forschung am Museum Lüneburg
Rückgabe von Museums­objekten an die Erben des Lüne­burger Kauf­manns Hirsch Lengel (2017)
Familien­treffen der Heinemann-Nachfahren (2015)
Der Marcus-Heinemann-Saal

Begleitprogramm

So., 21.01.18, 14:30 Uhr  |  Sonntagsgeschichte

Jüdische Familien und das Museum

Anneke de Rudder

Weitere Informationen zur Veranstaltung

Treffpunkt: Foyer Neubau,   die Führung ist im Museumseintritt inbegriffen

Do., 25.01.18, 18:30 Uhr  |  Ausstellungseröffnung

„Noch einmal nach der Herkunft fragen …”

Provenienz­forschung am Museum Lüneburg

Ort: Marcus-Heinemann-Saal,   Eintritt frei

So., 28.01.18, 14:30 Uhr  |  Sonntagsgeschichte

„Noch einmal nach der Herkunft fragen …”

Provenienz­forschung am Museum Lüneburg

Anneke de Rudder

Führung durch die Ausstellung

Treffpunkt: Foyer Neubau,   die Führung ist im Museumseintritt inbegriffen

Do., 08.02.18, 18:30 Uhr  |  Vortrag

Gute Geschichten: NS-Raubkunst im Film

Anneke de Rudder, Lüneburg

Ort: Marcus Heinemann­saal,   Eintritt frei

Do., 22.02.18, 18:30 Uhr  |  Vortrag

Ein Buch aus der Zarenresidenz:

Zur Rückgabe von Beutekunst nach Russland

Ulrike Kannengießer, Lüneburg

Ort: Marcus Heinemann­saal,   Eintritt frei

Do., 01.03.18, 18:30 Uhr  |  Vortrag

Von Vereinsfahnen, Federschmuck und „Judensilber”:

Provenienzforschung in öffentlichen und privaten Sammlungen in Südniedersachsen

Dr. Christian Riemenschneider, Göttingen

Ort: Marcus Heinemann­saal,   Eintritt frei

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